Entlang der Georoute Ruhr - Eiszeitliche Zeugen unter der Ruhrtalbrücke

Bodenausfschluss mit Eiskeil

Kaltzeit in Mülheim

Der Boden war bis in größere Tiefen ständig gefroren (Permafrost) und nur die obersten Bodenschichten tauten im Sommer auf. Durch verschiedene Prozesse entstanden damals die Ausgangsmaterialien, aus denen sich später unsere heutigen Böden entwickelten.

In der über 20 Meter breiten Profilwand unter der Ruhrtalbrücke lassen sich deutlich drei verschiedene Gesteinsschichten erkennen. Die unterste Schicht bildet das Festgestein aus der Zeit des Oberkarbons. Aufgrund einer alten Gebirgsfaltung stehen die ursprünglich horizontal abgelagerten Sedimentgesteine heute schräg. Während der letzten Kaltzeit drang wiederholt Schmelzwasser in feine Gesteinsrisse ein. Beim Gefrieren vergrößert sich das Volumen von Wasser um 10 %, wodurch das Gestein gesprengt wird (Frostsprengung). Der so entstandene Frostschutt bildet die etwa ein Meter dicke Schicht über dem Festgestein. Die hangparallele Einregelung der Gesteinsbruchstücke beweist eine abwärts gerichtete Wanderbewegung des Schuttkörpers (Wanderschutt), die als Frostbodenkriechen bezeichnet wird. Mit zunehmender Abkühlung des Klimas setzte ein weiterer wichtiger Prozess ein. Feine Stäube wurden von Winden ausgeweht und lagerten sich unter anderem hier am Steilhang des Ruhrtals ab. Diese gelblich-braunen Ablagerungen nennt man Löss. Er bildet die oberste der drei Schichten.

Eine Besonderheit des Profils stellen die zwei Aussparungen im Wanderschutt dar, die mit Löss und einigen gröberen Gesteinsbruchstücken gefüllt sind. Hierbei handelt es sich um fossile Eiskeile, also um ehemals eiserfüllte Frostrisse im Boden, die nach dem Abtauen des Eises mit Bodenmaterial verfüllt wurden.

 

Bodenaufschluss unter der Mintarder Brücke mit Beschriftung.

Warmzeit in Mülheim

In den letzten 10.000 Jahren, also in der heutigen Warmzeit, setzten dann die eigentlichen Prozesse der Bodenbildung ein. Der im Löss enthaltene Kalk wurde ausgewaschen. An der Schichtgrenze zum unterlagernden Wanderschutt fiel ein Teil des Kalkes wieder aus und verkittete das Lockermaterial zu einem verhärteten Horizont. Nach der Entkalkung begann die Verwitterung von eisenhaltigen Mineralen im Boden. Die hierbei entstehenden Eisenoxide ("Rost") geben dem Boden seine typische braune Farbe. Daher wird der Boden als Braunerde bezeichnet.
Die Braunerden zählen zu den am weitesten verbreiteten Böden in unseren Mittelgebirgen.

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