Von Eis und Wasser geformt - Die Böden im Ruhrtal

Spaziergänger bei Hochwasser im Jahr 2007

In Jahrtausenden gewachsen – in Minuten zerstört

Böden wachsen ungemein langsam. So kann es bis zu einigen hundert Jahren dauern, bis 1 Zentimeter Boden sich entwickelt hat. Unsere Böden haben sich seit dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren entwickelt und das ist noch gar nicht so lange her.

Vor etwa 6000 Jahren lebten in Mitteleuropa vergleichweise wenige Menschen. Auf der ganzen Welt sollen es vor 2000 Jahren etwa 300 Millionen Menschen gewesen sein. Diese Menschen veränderten mit dem Ende der Jungsteinzeit auch in Mitteleuropa vor etwa 5500 Jahren nach und nach ihre Lebensweise und begannen Ackerbau zu betreiben. Mit umfangreichen Waldrodungen seit dieser Epoche bis ins frühe Mittelalter haben sie die natürliche Bodenentwicklung verändert. So wurden in der Folge große Mengen an Boden mit dem Wasser und Wind von unbewachsenen Hanglagen abgeschwemmt und finden sich heute am Fuß der Hänge und in den Fluss- und Bachtälern. Man nennt diese Böden Kolluvien. Auch sogenannte Auenböden findet man dort, wo die Flüsse und Bäche regelmäßig über die Ufer treten und neue oft fruchtbare Partikel ablagern.

Die künstliche Entwässerung von Feuchtgebieten hat diese Bodenentwicklung unterbrochen. Die natürlichen Standorte der Bruchwälder, die Moorböden und Gleye sind weitgehend verschwunden.

Hochwasser der Ruhr im August 2007. Die Ruhr überschwemmt die Styrum Ruhraue

Leben am Fluss

Früher floss die Ruhr in zahlreichen Seitenarmen durch die Landschaft. Bei Hochwasser konnte sich der Fluss über große Flächen ausbreiten, ohne eine Gefahr für den Menschen darzustellen.

Hochwasser war und ist ein natürliches und regelmäßig wiederkehrendes Ereignis in dieser Zone.

Unsere Vorfahren kannten diesen Rythmus der Natur und siedelten auf den angrenzenden, höher gelegenen und somit vor Hochwasser geschützten Flussterrassen. Von dort aus konnten die fruchtbaren Böden genutzt werden. Die zunächst noch flächenanteilig dominierenden Auenwälder wurden hierbei bis auf kleine Reste gerodet. Es entstanden offene Grünlandflächen für die Viehhaltung.

Um mehr Flächen für Siedlung, Landwirtschaft, aber auch Industrie und Handel direkt am Wasser zu gewinnen, sorgten die Menschen ab dem 19. Jahrhundert für Hochwasserschutz. Im Stadtgebiet gibt es deshalb zwischen Mintard und Saarn einen Deich.

Später wurden aus den Lederfarbiken am Wasser moderne Wohnanlagen, denn für die Makler gilbt vor allen Dingen die Lage und die Menschen lieben das Wohnen am Wasser.

Böden sind ein natürliches Produkt ihrer Umwelt.

Während der Industrialisierung hat der Boden in Mülheim jedoch die gravierendste Veränderung erfahren. Ablagerung von künstlich hergestellten Stoffen wie Schlacken, Aschen und metallhaltigen Schlämmen, um nur einige zu nennen, haben manche Böden, insbesondere in den Industrie-, Hafen- und Gewerbegebieten überprägt. So finden sich in Mülheim als Zeugnisse aus dieser Zeit in alten Deponien an der Horbeckstraße und im Waldgebiet von Selbeck. Großflächig sind Böden im heutigen Mülheimer Hafen, in Teilen von Mellinghofen und in der Saarner Ruhraue unter Trümmerschutt des Zweiten Weltkrieges, Aschen, Schlacken und anderen Reststoffen verschwunden. Durch das enorme Bevölkerungswachstum, insbesondere seit Anfang des 20. Jahrhunderts, sind große Flächen für Neubaugebiete versiegelt worden. Deshalb unterscheidet man mittlerweile auch naturnahe Böden von anthropogen überprägten Böden.

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