o.T.

zweiteiliges Wandmosaik (Sakrale - weltliche Musik)

(1) Sakrale/ Alte Musik

Den gesamten oberen Bildraum füllt eine weibliche Figur, die eine Harfe in den Händen hält. Unter ihm befindet sich eine männliche Figur, die ein Bandoneon spielt.

Die weibliche Figur wurde oft als "Engel" interpretiert. Aufgrund des weißen, langen zeitlosen Gewandes und des Nimbus auch naheliegend. Schmitz konnte 2011 in seiner Neuinterpretation schlüssig nachweisen, dass es sich um einen Satyr handelt.

Die Dichotomien zwischen den beiden Figuren sind auch auf formaler Ebene zu finden: Die weibliche Figur und die sie umgebende  Welt ist von wellenartigen Linien und Formen beherrscht. Auch Spiralformen tauchen auf, die das Unendliche, Ewige symbolisieren. Elemente, die der irdischen, weltlichen Sphäre zu zurechnen sich, sind überwiegend in kantigen, eckigen Formen dargestellt.

Ursprünglich waren die beiden Mosaiken am Eingangsportal des Kammermusiksaals zu finden. Eine Gegenüberstellung von klassischer bzw. "alter" und moderner, "neuer" Musik scheint hier eher naheliegend: "Prikker versuchte auf diese Weise musikalische Empfindungen zu visualisieren: ein Reflex auf kunst- und musiktheoretische Abhandlungen jener Jahre. Theorien A. Schönbergs, W. Kandinskys und R. Delaunays fanden so ihren Widerhall in den Glasmosaiken des Mülheimer Stadthallenfoyers." (Schmitz 2011)

(2) Weltliche/ Neue Musik

Eine männliche Figur, mit angedeutetem Horn auf der Stirn, steht im oberen und mittleren Bildteil über einer Frauengestalt, die im unteren Bildteil zufinden ist. Die männliche Figur spielt ein Blasinstrument. "Hierbei handelt es sich nämlich keineswegs um eine einröhrige Teufelsposaune, sondern um eine doppelläufige „Aulos“ (Duoaulos), ein antikes Hirteninstrument. Bei den spitzohrigen, gehörnten Wesen dürfte es sich damit um Satyrn / Faune der griechischen bzw. römischen Mythologie handeln, die von einigen antiken Autoren als Erfinder der Musik bezeichnet wurden, und die in der griechischen Komödie (Satyrspiel) zuweilen die Rolle des Chores übernahmen." (Schmitz 2011)

Die weibliche Figur scheint auf einem Saiteninstrument zu spielen, das ebenfalls nicht exakt bestimmt werden kann. Aufgrund der Handhaltung könnte es eine Laute oder Zitter sein, eventuell auch eine Geige, die pizzicato gespielt wird. Analog zu dem Mosaik "Sakrale/ "Alte" Musik" sind der männlichen Figur hier eckige Formen zugeordnet. Sie lassen die Formen kaleidoskopartig auseinander fallen. Zugleich werden Bewegung und Unruhe hervorgerufen. Die weibliche Figur wird durch wellenartige Formen, kleine Wirbel und Spiralen umgeben. 

 

Ursprünglich in der Vorhalle des Kammermusiksaals situiert. Im Kriege beschädigt, renoviert von Gustav Dahler, umgesetzt in das Foyer.
Entwürfe und Aquarell auf Papier sind im Kaiser Wilhelm Museum Krefeld erhalten. 

Stadtteil: 
Broich
Standort: 
Stadthalle, Theodor-Heuss-Platz 1, 45468 Mülheim an der Ruhr
Status: 
bedingt zugänglich
Jahr: 
1928
Material und Technik: 
Stein
glasiert (Mosaik)
Höhe: 
je 3,29 m
Breite: 
1,28 m
Literatur
  • Paul Joseph Cremers, Emil Fahrenkamps Innenausstattung der Mülheimer Stadthalle, in: Deutsche Kunst und Dekoration Bd. XXIX, Mai 1926, hier: S. 105
  • Die Denkmäler des Rheinlandes, Hrsg. Landeskonservator Rheinland, Bd. 21, Mülheim an der Ruhr, von Roland Günter, Düsseldorf 1975, S. 36f
  • Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 18. 09.1982.
  • Neue Ruhr Zeitung, 25. 01. 1986.
  • Rimpel, Melanie: Die Stadthalle, in: Geschichtsverein Mülheim an der Ruhr e.V., (Hrsg.): Zeugen der Stadtgeschichte. Baudenkmäler und historische Orte in Mülheim an der Ruhr, Essen 2008, S. 216 - 228.
  • Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH (MST) (Hrsg.), Die Glasmosaiken Johan Thorn Prikkers im Foyer der Mülheimer Stadthalle, Eine Neuinterpretation von Dr. Jörg Schmitz, Mülheim an der Ruhr, April 2011.
Kontakt zur Besichtigung vor Ort: 

zu den Öffnungszeiten der Stadthalle:

https://www.stadthalle-muelheim.de/

 

Kontakt

Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr/Beauftragte für Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Mülheim an der Ruhr
Barbara Walter
Telefon 0208 - 455 41 05
E-Mail: Barbara.Walter@muelheim-ruhr.de
Click a feature on the map to see the details

Andere Kunstwerke desselben Künstlers

Für diesen Künstler sind aktuell keine weiteren Kunstwerke verzeichnet.