Ursprung und Ziel

fünf Maßwerkfenster in Buntglas
Künstler: 

Die Fenster zeigen zentrale Szenen bzw. Themen des christlichen Glaubens, die sich im Spannungsfeld von "Ursprung und Ziel" - so der Titel des fünfteiligen Werkes - befinden:

1) ganz links: „Der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser."

2) 2. von links: Berufung Moses

3) Mitte: Der auferstandene Christus

4) 2. von rechts: Pfingsten: Die Ausgießung des Heiligen Geistes

5) rechts: Die Vollendung aller Gläubigen in der Herrlichkeit Gottes

Kennzeichnend für die Fenster insgesamt ist das Ineinander von grafischen und flächigen, von abstrahierenden und bildhaften Elementen.

Stadtteil: 
Altstadt
Standort: 
Chor der Petrikirche, Kirchenhügel, Pastor-Barnstein-Platz 1, 45468 Mülheim an der Ruhr
Status: 
bedingt zugänglich
Jahr: 
1990
Material und Technik: 
Buntglas
Literatur
  • Kettschau, Ludwig: Die Petrikirche, Anmerkungen zur Geschichte und zur heutigen Gestalt, in: Mülheimer Jahrbuch 1992, Mülheim an der Ruhr 1991, S. 69 – 77 (zu den Rasche-Fenstern: S. 75 – 77).
  • Rasche Komplex II, 2016, ohne Seitenzahl, Glasfenster.
  • Vahsen, Peter: Ernst Rasche, Ein theologischer Bildhauer, in: Rasche Komplex II, 2016, ohne Seitenzahl.
  • http://www.glasmalerei-ev.de/pages/b886/b886.shtml (Abruf: 29.09.2020).
Werkbeschreibung: 

„1. Fenster: „Der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser." Schwarz-blaue Tiefe und eine lichte Taube als Symbol des Geistes Gottes, umgeben von transparentem Licht, sind die kontrastierenden, spannungsreichen Merkmale dieses Fensters.

Das 2. Fenster zeigt Mose, er wird berufen, das Gottesvolk Israel aus der Knechtschaft in die Freiheit zu führen. Die Gottesbegegnung läßt ihn sein Antlitz verhüllen. Die Offenbarung Gottes geschieht im brennenden Dornbusch. Hinter einer großen, grauen Rauchwolke offenbart und verbirgt sich Gott zugleich.

Das 3. Fenster bildet räumlich und thematisch die Mitte des Zyklus. Der Künstler macht das auch durch die grafische Gestaltung erkennbar. Die diagonalen Linienführungen der Fenster laufen auf die Mitte zu und finden hier in der Vertikalen, die noch durch die beidseitigen hellen Glasflächen des mittleren Fensters betont wird, ihr Ziel: der auferstandene Christus, die durchbohrten Hände zur Segnung und Sendung erhoben, weist den Fischer Petrus an die Menschen. Der Fischfang ist als Symbol für diese Sendung zu verstehen.

Das 4. Fenster wählt die Pfingstgeschichte als Motiv, in der von der Ausgießung des Heiligen Geistes erzählt wird (Apostelgeschichte 2,2+4). Gebündelt diagonal geführte Linien, die Rasche zusätzlich zu den Bleifassungen noch malerisch betont, versuchen, das Pfingstgeschehen zu erfassen. Dem Betrachter können diese kraftvollen Linien wie Geistesblitze erscheinen, die von der himmlischen in die irdische Sphäre leuchten, um dort die Menschen in die Bewegung des Glaubens zu rufen.

Im 5. Fenster bewegt sich ein Zug von Menschen aus allen Völkern und Zeiten auf das himmlische Jerusalem zu, in dem das Lamm - Symbol für den gekreuzigten Christus - sie erwartet. Die Vollendung aller Gläubigen in der Herrlichkeit Gottes ist das Thema. Dieser Herrlichkeit verleiht der Künstler auch durch reichere Farbgestaltung Ausdruck; es heißt ja von der himmlischen Stadt, sie sei aus Edelsteinen und Gold und, „von zwölf Perlen sind die Tore" - singt Philipp Nicolai von ihr und schließt: ,,Kein Aug hat je gespürt, kein Ohr hat mehr gehört solche Freude…“ (3. Strophe des Chorals „Wachet auf ruft uns die Stimme“ von 1599).“

Hand in Hand mit der äußeren Sanierung wurde auch im Inneren der Kirche eine gewichtige Veränderung vorgenommen und zeitlich parallel vollendet: der Chor erhielt neue künstlerisch verglaste Fenster. Dazu hatte es 1984 einen begrenzten Wettbewerb gegeben, an dem vier Künstler beteiligt waren. Einstimmig empfahl das Gutachtergremium unter Vorsitz von Professor Kurt-Wolf von Borries (Köln), Ernst Rasche (Mülheim an der Ruhr) mit der weiteren Bearbeitung zu betrauen. [...]

Ernst Rasche teilt zu seinen Fenstern mit: ,,Das Bekenntnis zur mittelalterlichen Technik der Verwendung von klein- im Wechsel mit großscheibigen Glasstücken aus mundgeblasenem Antikglas zeigt bei den Fenstern dieser Kirche eine formale Eigenständigkeit, Strenge - verbunden mit dynamischer Komposition. Die Strukturbänder an den Rändern der Fenster setzen das Mauerwerk der gotischen Architektur fort, es wird hineingenommen in die Glasfenster. Großflächige Glaselemente mit einzelnen dominierenden Farbtönen bestimmen die Gestaltung. [...] Die Bleibänder und die Schwarzlotzeichnungen setzen die notwendigen Akzente! Die großen kompositorischen Bewegungen - Linien - Farbführungen gehen über alle fünf Fenster, sind Bindeglieder im künstlerischen und im theologischen Zusammenhang."

(Kettschau, MHJB 1992)

 

Die Ausstattung der Petrikirche vor der Kriegszerstörung von 1943 wird ausführlich behandelt in: Haiger, Ernst: „Eine Stätte schöner und herer Kunst“: Die Umgestaltung der Petrikirche 1912 / 13, in: Geschichtsverein Mülheim an der Ruhr e.V. (Hrsg.): Zeitschrift des Geschichtsvereins Mülheim an der Ruhr, Heft 91 / 2016: Baukunst in Mülheim an der Ruhr, S. 115 – 189.

Kontakt zur Besichtigung vor Ort: 

Kontakt

Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr/Beauftragte für Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Mülheim an der Ruhr
Barbara Walter
Telefon 0208 - 455 41 05
E-Mail: Barbara.Walter@muelheim-ruhr.de
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